Tiefensee, Rosenthal und Nitzsche (v.l.) auf dem Bachstraßen-Areal, das Wissenschaftscampus wird.

Bachstraßen-Areal soll Wissenschaftscampus werden

Land und Universität schließen Verwaltungsvereinbarung / Entwicklungsziel: Lehr- und Forschungscampus mit Schwerpunkt Lebenswissenschaften
Tiefensee, Rosenthal und Nitzsche (v.l.) auf dem Bachstraßen-Areal, das Wissenschaftscampus wird.
Foto: Jens Meyer (Universität Jena)

Meldung vom: 22. September 2021, 11:05 Uhr | Verfasser/in: Stephan Krauß | Zur Original-Meldung

Uni-Präsident Walter Rosenthal vor der Skizze des Ministeriums zur Nutzung des Bachstraßen-Areals. Es ist kein Bebauungsplan und daher wird die Gestaltung vermutlich anders aussehen. Uni-Präsident Walter Rosenthal vor der Skizze des Ministeriums zur Nutzung des Bachstraßen-Areals. Es ist kein Bebauungsplan und daher wird die Gestaltung vermutlich anders aussehen. Foto: Jens Meyer (Universität Jena)

Das Bachstraßen-Areal in Jena wird auch künftig für universitäre und außeruniversitäre Zwecke genutzt. Das kündigten Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee, Jenas Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche und der Präsident der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Prof. Dr. Walter Rosenthal, am 22. September 2021 in einem gemeinsamen Pressegespräch vor Ort an. „Exzellente Forschung und Lehre brauchen exzellente Standortbedingungen“, sagte Tiefensee. „Unser Ziel ist es deshalb, das Bachstraßen-Areal zu einem innerstädtischen Wissenschaftscampus zu entwickeln.“ Laut Universitätspräsident Rosenthal gehen „unsere Überlegungen dahin, hier vor allem biomedizinische Fachbereiche – Pharmazie, Ernährung, Biodiversität, aber längerfristig auch Pharmakologie, Physiologie und Anatomie – zu konzentrieren.“ Für den Oberbürgermeister steht im Vordergrund: „Wir wollen eine stärkere Öffnung des bisher von seiner Umgebung separierten Standorts zur Stadt hin und damit eine engere Verflechtung zwischem städtischem und akademischem Leben erreichen.“

Das Bachstraßen-Areal liegt in unmittelbarer Nähe zum Jenaer Stadtzentrum. Auf ihm finden sich große, stadtbildprägende Gebäude aus verschiedenen Epochen. Die meisten davon – einschließlich zweier „Hochbunker“ – wurden speziell für medizinische Zwecke errichtet und bisher überwiegend durch das Universitätsklinikum Jena (UKJ) genutzt. In der Nähe befinden sich Wohngebiete, zahlreiche universitäre Einrichtungen (z. B. der Campus Ernst-Abbe-Platz), verschiedene Bildungs- und Kulturstätten sowie Gastronomie. Das Gebiet hat eine Größe von 39.000 Quadratmetern, die sich überwiegend (26.000 Quadratmeter) im Eigentum des Landes, zum Teil im Körperschaftseigentum des UKJ (13.000 Quadratmeter) sowie zu einem geringen Teil im Eigentum der Ernst-Abbe-Stiftung befinden (z. B. die ehemaligen „Handwerkerhöfe“ an der Carl-Zeiß-Straße).

Geplante Veräußerung der Flächen vom Tisch

Mit dem Neubau des Universitätsklinikums in Jena-Lobeda erfolgt suzkzessive der Freizug des Geländes durch das UKJ. „Entgegen ursprünglicher Planungen, die den Verkauf dieser landeseigenen Liegenschaft vorsahen, stellt das Land den Standort nunmehr für eine wissenschaftliche Nachnutzung bereit“, sagte Tiefensee: „Die zusammenhängende Fläche in unmittelbarer Nähe zur Stadt und anderen Universitätsstandorten bietet nach Einschätzung aller Beteiligten hervorragende Entwicklungspotenziale als größter biomedizinischer Hochschulcampus in Mitteldeutschland.“ Die im Landeshaushalt bereits eingeplanten Verkaufserlöse sollen deshalb durch die Veräußerung anderer, im Stadtgebiet verstreut liegender Grundstücke aufgebracht werden, die die Universität Jena nicht mehr benötigt und an das Land zurückgibt. Hierfür haben die Universität, das Thüringer Finanz- sowie das Wissenschaftsministerium im August 2021 eine Verwaltungsvereinbarung geschlossen, in der diese Liegenschaften aufgeführt sind. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf soll insbesondere eine Sondertilgung der Baukosten für den Klinikneubau in Lobeda in Höhe von 25 Millionen Euro refinanziert werden.

Die Bachstraße als nächstes großes universitäres Entwicklungsprojekt unterstreicht unseren Anspruch, bestmögliche Rahmenbedingungen für Exzellenz in Forschung und Lehre zu schaffen“, sagte Universitätspräsident Rosenthal. „Die Investitionen in den Standort werden erheblich dazu beitragen, die Unversität Jena im Bereich der Lebenswissenschaften als forschungsstarke Hochschule weiter zu stärken und in die Spitzengruppe der deutschen Hochschulen zu führen.“ Mit der Erschließung des Bachstraßen-Areals entstehen jetzt neue Entwicklungsmöglichkeiten für die lebenswissenschaftliche Forschung, die sich u. a. mit der Entwicklung neuer Arzneimittel, mit Fragen der Biodiversität und Konzepten zur gesunden Ernährung beschäftigen wird. Dafür sei eine Ertüchtigung von Teilen der Bestandsgebäude – z. B. die Umwandlung der ehemaligen Frauenklinik in ein Bürogebäude –, aber auch die Errichtung von Neu- und Erweiterungsbauten – insbesondere für Laborflächen und Unterrichtsräume – erforderlich.

Land will EFRE-Mittel einsetzen

Für die Finanzierung der Baumaßnahmen plane das Land, Mittel aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) zu nutzen, sagte Wissenschaftsminister Tiefensee. Geprüft werde zudem, ob das in Jena neu angesiedelte DLR-Institut für Datenwissenschaften seinen künftigen Standort auf dem Bachstraßen-Areal finden könne. Dazu würden derzeit zunächst Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen angestellt. Darüber hinaus könne hier perspektivisch aber auch weiterer Wohnraum für Studierende entstehen.

"Wir wollen auch hier mitten in der Gesellschaft stehen und Raum zum Austausch und zur Kommunikation mit der Stadtgesellschaft schaffen. Die Gebäude sollen so gestaltet sein, dass sie auch für Bürgerinnen und Bürger der Stadt attraktiv sind und Platz für Ausstellungen und andere Bildungsangebote bieten", unterstrich Uni-Präsident Rosenthal.

Im Fokus der Jenaer Stadtpolitik stand nach dem Wegzug des Universitätsklinikums immer die Entwicklung der westlichen Innenstadt. Das Bekenntnis des Landes ist der erste wichtige Schritt, um das Bachstraßen-Areal und damit die westliche Innenstadt zu einem authentischen, urbanen Wissenschaftsquartier in der Stadt zu entwickeln“, sagte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche. Mit den möglichen Durchwegungen sowie den gastronomischen Angeboten und dem studentischen Wohnen werden auch die Sanierungsziele der Stadt Jena bei der Standortentwicklung berücksichtigt. „Ich freue mich darauf, dass die Stadt in den nächsten Jahren die Entwicklung dieses Leuchtturmprojektes gemeinsam mit den Akteuren als baukulturellen Akzent für Jena begleiten kann.

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